verzeihen und frieden mit der vergangenheit schließen

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Warum soll ich nur Frieden mit meiner Vergangenheit schaffen?

Das habe ich mich auch gefragt, wie ich das erste mal davon gehört habe. Schließlich ist mir doch in meinem Leben so viel Ungerechtigkeit widerfahren. Ich könnte, wenn ich in die Vergangenheit zurück sehe, auf viele Menschen und Situationen mit Hass erfüllt sein. Und so geht es sicherlich jedem Menschen. Dies beginnt bereits in der Kindheit, wo man ungerechtfertigt eine Ohrfeige bekommen hat. Geht dann weiter in der Schule, wo man ausgegrenzt wurde oder auf eine Klausur eine schlechte Note bekam. Gefolgt von den ersten Beziehungen, in denen man verletzt wurde. Ungerechtigkeiten in der Arbeit. Eventuelle Scheidung oder wie es auch mir ergangen ist – Jahrelanger Streit mit einem psychisch kranken, mehrfach vorbestraften Nachbarn. Den daraus resultierenden 3-4 Prozesse/Jahr, wo gelogen wurde, dass man aus der Haut fahren könnte,…

All dies ist mir widerfahren und ich bin mir sicher, dass ihr alle, wenn ihr darüber nachdenkt, auch viele Themen habt, die für euch nicht abgeschlossen sind. Ebenso wird es einiges geben, wo andere euch bis heute nicht verziehen haben.

Versuchen wir es einmal sachlich zu sehen und dafür möchte ich, der Einfachheit halber kurz in die Vergangenheit abschweifen. Nicht in die Situation, welche meinen Bluthochdruck ausgelöst hatte, sondern zu meinen Nachbarn:

Ich habe mit meiner Frau und meinem Schwiegervater gemeinsam zu 70%iger Eigenleistung ein Haus am Land gebaut. Ein Holzriegel Haus, welches wie auf uns und unsere Bedürfnisse zu 100% zugeschnitten ist. Mein Schwiegervater – er ist Architekt – plante an diesem Haus nahe zu 1 Jahr und die Errichtung war für ihn eine art Rehab nach einer schweren Erkrankung. Wie sehr meine Frau an diesem Haus hängt kann man sich vorstellen. Circa 1 Jahr nach unserer Fertigstellung bekommen wir einen neuen Nachbarn. Ich möchte die Streitereien jetzt nicht näher ausschmücken. Möchte aber nur Folgende Eckpunkte bekannt geben: Tägliches Hundegebell direkt vor unserem Schlafzimmerfenster um 05:00 in der Früh. Das Nachbarhaus gehört seiner Lebensgefährtin (Jahrgang 71). Er ist Mindestrentner mit ca. 80.000€ exekutierbaren Schulden. Er ist mehrfach vorbestraft wegen Betrug, Gefährlicher Drohung, Sachbeschädigung. Hatte uns (meiner Frau und mir) auch in Gegenwart der Polizei mit Ausrottung gedroht und dafür eine weitere Verurteilung wegen gefährlicher Bedrohung bekommen. Ich, als sein persönlicher Erzfeind, und meine Gattin haben unzählige Klagen wegen Sachbeschädigung, Unterlassungsklagen, Anzeigen wegen angeblicher Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung,… bekommen. Bei all diesen Klagen mussten wir uns durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen, und wir haben immer Recht bekommen. So weit so gut. Er wäre dadurch den Ausgang der verfahren zur Zahlung der Anwaltskosten verpflichtet gewesen. Einem Mindestrentner mit 80.000€ exekutierbaren Schulden interessieren weitere 5.000€ nicht. Er wird die 80.000€ und die 5.000€ in seinem Leben nie zahlen. In letzter Instanz müssen wir dafür aufkommen. Dieser Streit dauerte nun  über 4 Jahre. Vor 4 Wochen ist er weg gezogen.

Nun, wenn wir jetzt zurück blicken, müsste ich doch mit Hass gegen diesen Mann erfüllt sein. Er kostete mich 5.000€. Hat mehrere Jahre meine Lebensqualität drastisch verschlechtert,… Nein, ich verlasse die Opferrolle, dass es mir schlecht geht, der hat mir dies oder das angetan und deshalb ist heut…. Ich bin so arm, weil… Ich bin meinem Schicksal für jede dieser Lektionen dankbar. Durch meinen Nachbarin bin ich stärker geworden. Ich habe keine Angst mehr vor Gerichtsverfahren. Gehe mit der Exekutive ganz locker um, wie auch mit dem Finanzamt. Er hat meine Frau und mich immer stärker zueinander gebracht. Wenn ich ihm gegenüber mit Hass erfüllt bin, schleppe ich ständig einen riesigen Rucksack mit Ballast mit mir herum welcher unnötig Energie von mir abverlangt. Meine Gedanke würden sich ständig um die Vergangenheit drehen und würden mich dadurch für neues blockieren. Die Vergangenheit kann ich nicht ändern, also nehme ich sie hin, wie sie gekommen ist. Sie hat aus mir das gemacht, was ich heute bin. Und dafür bin ich dankbar. Durch jedes Problem, durch jede Ungerechtigkeit bin ich stärker und erfahrener geworden. Viele meiner Probleme haben mir meinen Bluthochdruck gebracht, welchen ich heute umarme und nur nach als Indikator für mein Seelische Gleichgewicht sehe. Dadurch beschäftige ich mich mit vielen Themen des Lebens und schaue über den Horizont des beruflichen Hamsterrades hinweg. Dadurch schreibe ich jetzt diesen Blog und kann damit, so hoffe ich, vielen Menschen helfen, ihr Leben zu Verbessern und ihnen zu einen neuen Denkweise verhelfen. Weshalb sollte ich irgend jemanden etwas nachtragen? Es ist gut so, wie es ist.

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