die tägliche meditation

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Mein Tag begann meist um 3 Uhr in der Früh, als ich aufwachte und über vieles nachzudenken begann. Meist drehten sich dabei meine Gedanken um die Arbeit. Was ist heute zu tun? Wie gehe ich mit dem Problem um, welches sich gestern ergeben hat? Was wird heute bei der Besprechung Thema sein? Wie werden die Kollegen reagieren? Schaffe ich es rechtzeitig die Arbeit fertig zu bekommen? Die Aussage von meinem Kollegen verstehe ich nicht, ist doch reiner Bereichsegoismus und nicht mit Logik zu erklären. Wie soll ich damit umgehen,… Das sind Gedanken gewesen, welche mich oft nicht schlafen ließen. Ich spürte richtig, wie mein Puls zu rasen begann. Wie mein Blutdruck in die Höhe stieg. An ein Schlafen war da nicht mehr zu denken. Verschiedene Rituale, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, haben nicht oder nur wenig geholfen. Hilfe fand ich dann in der Meditation.

Doch was ist für mich Meditation? Diese Frage ist für mich nicht leicht zu beantworten. Einerseits ist es, dem Gehirn einmal eine Ruhepause vom permanenten Nachdenken zu geben und bewusst Gedanken nicht festzuhalten oder zu verfolgen. Auf der anderen Seite versetzt es mich in einen mentalen, zufriedenen Zustand. Es gibt mir Frieden und innere Ruhe. Es funktioniert nicht jeden Tag gleich gut und auch der Anfang war schwer. Das Gefühl, welches man bei der Meditation empfindet, ist ungefähr mit dem Gefühl der inneren Ruhe und Zufriedenheit zu vergleichen, welches ich früher hatte, wenn ich in der Nacht aufgewacht bin. Ich auf die Uhr schaute und wusste, dass ich mich nochmal ganz gemütlich und zufrieden in die Decke kuscheln konnte, denn die Welt war in Ordnung und ich konnte noch 1 Stunde schlafen. Dieses Gefühl beschreibt am besten, was ich beim Meditieren empfinde.

Als ich das erste Mal zu meditieren begann, machte ich es unbewusst. Es ist zwischenzeitlich über 10 Jahre her. Ich habe eine starke Affinität zum Wasser und suchte damals, zur Zeit meiner Scheidung, Ablenkung im Apnoe Tauchen. In einer Disziplin, welche sich „Statik“ nennt, legt man sich ganz entspannt auf die Wasseroberfläche und versucht so lange wie möglich die Luft anzuhalten. Dabei ist es ganz wichtig, so wenig Sauerstoff wie möglich zu verbrauchen. Keine unnötigen Muskelbewegungen und Muskelanspannungen zu haben. Die Gedanken so frei wie möglich zu bekommen, denn auch das Probleme wälzen erhöht den Puls und damit den Sauerstoffverbrauch. Also konzentrierte ich mich damals auf jeden einzelnen Muskel jedes einzelnen Fingers, Unterarm, Oberarm, Nacken, Schulter… ja, er ist entspannt. So schaffte ich es damals, mit etwas Training, die Luft beinahe 5 Minuten anzuhalten. Heute 10 Jahre später, als ich beim Belastungs-EKG war und meine Ärztin am Ende sagte, wir haben es jetzt geschafft, ichfullsizeoutput_68 soll tief Luft holen und mich entspannen, schloss ich die Augen und dachte an das Wasser. In diesem Moment reduzierte sich mein Pulsschlag deutlich, wie auf dem Bild zu sehen ist. Und dies war auch der Weg, wie ich jetzt in die Meditation gefunden habe. Ich bin einfach jeden meiner Muskeln durchgegangen und habe geschaut, ob er auch entspannt ist.

Jeder Gedanke entspricht einer vorbeiziehenden Wolke. Es ist nicht schlecht, dass diese Gedanken kommen, aber ich lasse sie genau so schnell wieder gehen wie sie gekommen sind. Ich gebe ihnen keine Kraft. Konzentriere mich wieder auf meinen Atem oder meine Muskeln, welche ich entspanne.

Um die Meditation besser zu verstehen, versetzt man sich in folgende Situation: Man sitzt auf seiner Terrasse, es ist ein wunderschöner, warmer Frühlingstag und man genießt die ersten Sonnenstrahlen. Man beobachtet das Geschehen auf der Straße. Es fährt ein Pick-Up vorbei. Hinter dem Pick-Up fährt ein LKW. Am Gehsteig spaziert die Nachbarin mit ihrem Hund und ihr entgegen kommt eine Bekannte mit ihrem Kinderwagen. Im Nachbargarten spielen Kinder. Der Postbote biegt in die Gasse ein. Und ein Jogger überquert gerade die Straße. Jetzt springst Du auf. Hältst den Pick-Up auf. Lotst ihn in deine Einfahrt, wie auch den LKW Fahrer, die Nachbarin, die Bekannte mit dem Kinderwagen, die Nachbarskinder und den Postboten. Das Chaos in der Einfahrt ist perfekt. Alle sprechen mit dir gleichzeitig, weil sie wollen ja in deiner Einfahrt parken, du hast sie ja eingeladen. Es ist aber kein Platz mehr. So ist es, wie man sich Meditation vorstellen kann, mann bleibt auf der Terrasse sitzen, und lässt alle vorbei ziehen wie die Wolken, keiner wird in die Einfahrt gewunken. In der heutigen Berufswelt muss man an so viel gleichzeitig denken, dass das Gehirn keine Ruhe mehr findet. Man ist den ganzen Tag beschäftigt, seine Gedanken in der Einfahrt zu ordnen und zu sortieren. Da kann man sich schon täglich die paar Minuten gönnen, alles vorbei ziehen zu lassen und abzuschalten. Von Tag zu Tag genießt man es mehr und die Meditationen werden immer länger. Zwischenzeitlich wenn der der Streß in der Arbeit zu groß wird, setzte ich mich gerade auf meinen Sessel, lege die Hände flach auf die Tastatur meines Computers. Schließe die Augen und konzentriere mich auf meinen Atem. Diese 5 Minuten nehme ich mir, um Streß abzubauen. Das ist meine Zigarette.

Auch wenn ich heute noch manchmal in der Nacht aufwache und beginne über meine Arbeit nachzudenken, sage ich mir bewusst, dass ich diesen Gedanken weiter ziehen lasse, horche kurz in meinen Atem und schlafe weiter. Ich kann jeden nur empfehlen, mit der Meditation zu beginnen. Sie gibt einen so viel Kraft, wenn man übt, sich von der Vergangenheit zu lösen, die Zukunftsgedanken zu ignorieren und sich auf das hier und jetzt zu fokussieren.

Eine Antwort

  1. chama chamaleonte
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    Super! Habe ähnliche Erfahrungen gemacht.

    LG

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